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"Für mehr Realität auf Social Media" zeigt nur, wie sehr die Kulisse noch gebraucht wird.

Wir dürfen mal ganz still hinsehen. Ohne zu bewerten. Ohne Recht haben zu wollen. Einfach nur beobachten, was da passiert, wenn dieser eine Satz wie ein Banner vor uns hergetragen wird, denn ich lese ihn so oft:

Für mehr Realität auf Facebook.

Das fühlt sich im ersten Moment gut an. Es schmeckt nach Befreiung, nach Aufatmen, nach kollektiver Wahrheit. Da zeigt jemand das Chaos, die Tränen, das Ungeschminkte, den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Und sofort springt der Verstand an und sagt:

Ja, genau das! Endlich echt.

Aber wer schaut da eigentlich hin? Und was wird da wirklich gesucht?

In dem exakten Moment, in dem das Smartphone hochgehalten wird, um die vermeintliche Echtheit einzufangen, verlassen wir die Realität bereits. Sobald ein Moment ausgewählt, gefilmt, mit einem filterlosen Hashtag versehen und hochgeladen wird, ist er nicht mehr rein. Er wird zu einem Bild. Zu einem Ausschnitt. Zu einer sorgsam inszenierten Kulisse von Nahbarkeit.


Das ist kein Vorwurf. Ganz und garnicht. Es ist eine nackte Feststellung. Aber...was ist dein Ansinnen dahinter?

Die unaufgeräumte Küche, die verzweifelten Tränen oder das müde Gesicht im Feed sind kein Erwachen. Es ist einfach nur ein anderes Bühnenbild. Wir haben lediglich das glitzernde Kostüm gegen die Alltagskleidung getauscht, spielen aber immer noch auf derselben Bühne. Warum? Weil wir die Bestätigung im Außen brauchen. Wir suchen im Spiegel des Displays nach der Erlaubnis, so sein zu dürfen, wie wir sind. Wir fordern "mehr Realität“ von einer Plattform, die rein strukturell gar keine Realität abbilden kann, sondern immer nur Fragmente.


Wer die Wahrheit im Feed der anderen sucht, klebt mit dem Gesicht an der Kinoleinwand und wundert sich, warum er nicht satt wird.

Wir sehen diese Welt sowieso alle nur durch unsere ganz eigenen Filter, durch unsere Prägungen, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte. Die Realität des einen ist das Drama des anderen. Deshalb führt der Kampf um mehr Echtheit im Außen nirgendwohin. Er bindet nur unsere Aufmerksamkeit. Er hält uns in der ständigen Schleife von Vergleichen, Mitfühlen und Reagieren gefangen.


Wahre Realität lässt sich nicht filmen. Sie lässt sich nicht hochladen und sie braucht keinen Upload-Button.


Sie ist das, was genau jetzt übrig bleibt, wenn das Display schwarz wird. Wenn der Drang, das eigene Leben zu dokumentieren, kollabiert. Wenn wir den Blick radikal vom Außen abziehen, tief in den eigenen Körper sinken und einfach nur spüren, wer wir in diesem unzensierten, stillen Moment eigentlich sind. Ohne Zuschauer. Ohne Bewertung.

Die eigene Wahrheit beginnt erst dort, wo die Kulisse keine Rolle mehr spielt. Denk mal drüber nach...

 
 
 

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