Dein Verstand hält meine Texte für eine Bedrohung. Und er hat absolut recht.
Was mir in den Kommentaren unter meinen Beiträgen immer wieder auffällt ist die enorme Dringlichkeit, mit der mancher Leser an mich herantritt. Es wird missioniert, sich echauffiert, und manche rufen sogar zu öffentlichen Live-Debatten auf, in denen ich meine Haltung beweisen und begründen soll.
All diese Dynamiken zu beobachten ist faszinierend, da sie im Kern immer ein und denselben Zweck verfolgen:
den eigenen Verstand zu beruhigen.
Versteh mich nicht falsch, auch ich bin kein Guru, der immer absolut zentriert und vollkommen unbehaftet durchs Leben schreitet. Natüürlich steck auch ich ab u an in alten Konditionierungen fest, um meinen Mindf*ck zu beruhigen. Hallo?! Das is doch vollkommen menschlich.
Was ich aber nicht mehr habe, ist das Bedürfnis, eine fremde Sichtweise unbedingt korrigieren oder in einer Arena debattieren zu müssen. All meine Erfahrungen haben mich zu der tiefen Erkenntnis und Einsicht geführt, dass ich da in Wahrheit nicht gegen den anderen "kämpfe", sondern im Kern immer nur meine eigenen Konzepte am Leben halten will. Der Tod des Egos sozusagen.
Denn eine Klarheit, die keine Fragen offenlässt und nichts verkaufen oder überzeugen will, wirkt auf ein suchungssüchtiges Ego absolut bedrohlich (wenn auch das Tagesbewusstsein es nicht so empfindet).
Da braucht es die Debatte, das Pro und Contra, das "sowohl-als-auch", um die eigene Geschichte und die eigene(n) übergestülpte(n) Persönlichkeit(en) im Spiel aufrechtzuerhalten....und das ist nicht nur hier in meinem kleinen digitalen Wohnzimmer zu beobachten, sondern spiegelt sich im Kollektiv genauso wider..abendliche Talkshows, politische TV-Duelle und intellektuelle Grundsatzdebatten würden von jetzt auf gleich aussterben, wenn die Menschheit aufhören würde, ihren Selbstwert aus dem Recht haben wollen zu beziehen.
Wer überzeugt werden will, sucht nur nach der nächsten Beruhigungspille für den Verstand...
und wer überzeugen will, steckt selbst noch mitten im Spiel nach Bestätigung.
Sobald dieser Zwang aber kollabiert, eine eigene Wahrheit gegen andere verteidigen zu müssen, bricht das gesamte Theater der Meinungen, das gesamte Theater des Egos, in sich zusammen. Was bleibt, ist schlicht das, was IST...ohne Tribüne, ohne Gewinner, ohne Warteraum. Und das ist natürlich erstmal eine gewaltige Egoklatsche.
Ich mag heute drum eines klarstellen:
Meine Texte müssen nirgendwo ankommen, überzeugen oder das Recht auf allgemeine Gültigkeit besitzen.
Ich schreibe nur des Schreibens wegen. Schreiben ist für mich Ausdruck von Liebe. Ich bin vollkommen in ihr, in meinem Klang, in jedem Buchstaben, in jeder Formulierung. Ich bin der Stift, das Papier, das geschriebene Wort. Ich verschmelze mit dem Augenblick wenn es durch mich fließt. Ich liebe es, metaphorische Vergleiche zu ziehen, meine Eloquenz zu Papier zu bringen, Gedankenfragmente zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, meiner Innenwelt mit Buchstaben Ausdruck zu verleihen.
Wenn ich schreibe, liebe ich.
Genau genommen wäre es vollkommen schnurzpiepegal was ich schreibe. Ich könnte dir wohl auch eine Abhandlung über meinen gestrigen, missglückten Fermentationsversuch, mein Sinnieren über die Wahl meiner Vorhänge, die ich morgen plane zu kaufen oder über meine allergeliebteste Mietzekatze schreiben, die grade auf mir liegt und mit voller Inbrunst so laut schnurrt, dass mein ganzer Körper vibriert. Wie schön ist das. Ich liebe es♡.
Weisst du, ich frag mich nicht, ob dir meine Texte gefallen, wenn ich sie verfasse. Ich schreibe vollkommen absichtslos über das, was grade durch mich durch fließt, was mich eben grade bewegt...u ab u an lass ich dich dran teilhaben. Was ich hier poste, sind nur vereinzelte Fragmente meiner Innenwelt. Das meiste davon erreicht niemals ein Display, sondern bleibt genau dort, wo es hingehört: bei mir.
Ich schreibe daher nicht, um dich zu überzeugen, dich zu belehren oder dich auf "meine Seite" ziehen zu wollen. Wer wäre ich, dich davon überzeugen zu wollen, dass meine Perspektive die einzige Richtige ist? Wie anmaßend wäre ich, den Erklärbär zu spielen u dir zu sagen, was an dir "falsch" ist?! Nein, all das ist vollkommen gleichgültig für mich. Alles hat die gleiche Gültigkeit.
Ich muss hier nicht "Recht haben", auch wenn der ein oder andere das vll manchmal so auffasst. Im Recht haben wollen machen wir uns augenblicklich vom gegenüber abhängig, weil wir die Bestätigung von außen brauchen, um die Gültigkeit unserer eigenen Aussage zu stützen.
Für mich gibt es aber weder eine Erklärungsnot, noch will ich dir irgendwas beweisen, noch bin ich interessiert daran, dass du mir irgedendwas beweist oder erklärst.
Ich hege schon lange keine Absicht mehr zu überzeugen oder etwas beweisen zu wollen. Hab ich eiglt noch nie, aber seitdem ich meine Präsenz u das, was in ihr ist, im Moment des Erlebens auch in öffentliche Räume werfe, ist diese vollkommene Absichtslosigkeit und Gleichgültigkeit noch größer geworden.
Auch wenn einige das manchmal vll so empfinden, als würde ich bewusst provozieren, radikalisieren, oder Steine nach ihnen und ihrer Lebensweise, ihren Ansichten und ihren Überzeugungen werfen wollen...nein, das tue ich nicht.
Alles, was ich tue ist lediglich eine Stimmgabel anzuschlagen.
Die Resonanz die entsteht,findet in DEINEM Raum statt. Wer mitschwingt, schwingt mit, wer nicht, geht weiter. That's all.
Und was meine Beiträge auch nicht brauchen ist ein Ziel, um gültig zu sein. Sie sind einfach nur Sein, entstanden in diesem Jetzt sprudeln sie einfach so aus mir raus. Ohne Anspruch auf Zustimmung oder Ablehnung.
Und genau aus diesem Grund hält dein Verstand sie für eine Bedrohung. Denn nichts tötet den Verstand schneller als ein Raum, in dem es nichts zu gewinnen, nichts zu diskutieren und niemanden zu bekehren gibt...in dem einfach nur reines SEIN in Präsenz IST.
Doch genau so ist mein Raum hier gedacht: Kein Podium für ausschweifende Diskussionen, keine Arena für Egos, sondern reiner Ausdruck im Moment.
Ein Gedanke wird geteilt, eine Saite wird angeschlagen. Wenn du damit in Resonanz gehst, in Ordnung. Wenn nicht, genauso in Ordnung. Du kannst natürlich gerne kommentieren und ich liebe es, andere Perspektiven zu erfahren. Ich liebe es, mit euch in den Austausch zu gehen. Aber erwarte von mir nicht, dass ich dein Spielfeld betrete, um Recht zu haben oder mich zu erklären.
Vielleicht gelingt es dir künftig, meine Worte wie den Gesang eines Vogels wahrzunehmen.
Er singt nicht, um die Zustimmung des Waldes einzuholen. Er singt einfach nur, weil der Gesang im JETZT Ausdruck findet und weil die Melodie genau in diesem Augenblick durch ihn hindurchfließt.
Denn die größte Freiheit liegt darin, die Dinge nicht tun zu müssen, DAMIT etwas passiert, sondern weil sie aus der absoluten Unmittelbarkeit des Seins entstehen.
Ohne Absicht. Ohne Erwartung. Einfach nur hier.


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