Eine Einladung in meine Wahrheit
- Tanja Weisenbach
- 25. Jan. 2021
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
(M)ein etwas anderer Lebenslauf
Eine Einladung in meine Wahrheit
Heute mag ich dich einmal mitnehmen weg von den glatten Fassaden und den perfekten Lebensläufen, die wir uns sonst so gerne zeigen. Ich mag dir meinen "anderen" Lebenslauf offenlegen. Es ist keine Liste von Erfolgen, sondern eine Landkarte meiner Häutungen. Eine Geschichte vom Verlieren, vom Suchen und vom (mich) Finden. Vielleicht erkennst du dich in den Rissen meiner Erzählung wieder, denn oft ist es genau dort, wo das Licht beginnt, durchzuscheinen.
Mein Leben begann nicht selbstbestimmt sondern mit einem gewaltsamen Riss. Ich kam nicht sanft und in meinem Tempo auf diese Welt. Ich wurde eingeleitet, wurde mit der Saugglocke geholt, herausgerissen aus der Sicherheit in ein Dasein, das mich von der ersten Sekunde an forderte. Dieser traumatische Start schien das Echo für alles Kommende zu sein. Ich war erst drei Jahre alt, als die Welt, die ich kannte, zum zweiten Mal zerbrach.
Mein Vater ging, und mit ihm verschwand ein Teil von mir, der nie wieder zurückkehren sollte. Mit vier trat ein neuer Mann an die Seite meiner Mutter, doch zwischen uns blieb eine ewige Distanz.
Inmitten dieser emotionalen Leere gab es einen Anker: meinen Opa. Er war nicht mein biologischer Vater, aber er war die Liebe, die mich hielt. Er war der Boden unter meinen Füßen. Als ich 15 war, starb er in meinen Armen.
Und mit ihm ging das Licht. Ich blieb zurück in einer Welt, die sich für mich wie ein fremder, feindseliger Ort anfühlte.
In der Schule war ich immer das Alien. Ich fühlte die Blicke, die Missgunst und die Kälte der anderen schon früh. Das Trauma, von Mitschülern in einen dunklen Schacht gesperrt zu werden, brannte sich bereits in der Grundschule tief in meine Seele ein. Es war nicht nur der Schacht aus Beton, es war das Gefühl, dass die Welt mich wegsperren will, weil ich anders bin.
Auf dem Gymnasium wurde mein Schrei nach Wahrheit als Rebellion missverstanden. Ich hinterfragte alles, weil ich die Lüge nicht ertrug. In der zehnten Klasse folgte der ultimative Verrat durch eine "Autorität"...
Mein Biolehrer erpresste mich. Er gab mir die Wahl zwischen einer erzwungenen Flucht mit einer Vier oder dem absichtlichen Scheitern mit einer Fünf. Ich ging...mit dem Gefühl, nirgendwo hineinzupassen.
Mit 18 zerbrach ich an der FOS an einem einzigen Punkt in BWL. Mein Herz weigerte sich schlichtweg, die kalte, monetäre Logik dieser Marktwirtschaft zu verstehen, während meine Seele nach Sinn dürstete. Nach dem Tod meines Großvaters und meinem vermeintlichen schulischen Scheitern folgten Jahre der Dunkelheit. Panikattacken und Ängste raubten mir den Atem. Mein erster Freund demütigte mich vier Jahre lang, nannte mich zu fett und versuchte, den letzten Rest meines Selbstwertgefühls zu ersticken.
Nach einer Ausbildung zur PTA, die mich durch den Anblick der Pharma-Machenschaften zutiefst erschütterte, und einem Journalismus-Studium, bei dem ich im letzten Semester die Reisleine zog, weil ich die Gehirnwäsche nicht mehr mittragen konnte, kam der große Umbruch.
Mit 27 riss der Himmel auf. Ich hatte eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung. Ich sah das Licht, ich fühlte die Einheit. Doch anstatt mich zu halten, verriet mich meine eigene Mutter. Auf dem Gipfel meines Erwachens ließ sie mich in die Psychiatrie einweisen. Dort wurde ich in die geschlossene Abteilung weggesperrt und wurde an Händen und Füßen gefesselt. Zwei Tage lang war ich wehrlos, festgebunden an die Materie, während mein Geist weit flog. Ich schlief von Karfreitag bis Ostersonntag...
eine heilige, schmerzhafte Zeitlosigkeit, in der das alte Ich endgültig starb, um Platz für das Neue zu machen.
Aus der Asche entstand ein Jahr später neues Leben. Mit 28 wurde ich gemeinsam mit meinem Seelengefährten Mutter unseres wundervollen Sohnes. Er war das erste Wunder, das mir zeigte, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Mit 32 fand ich die Kraft, mich endgültig von meiner narzisstischen Mutter zu lösen und meine eigene Wahrheit zu atmen.
Mit 33-38 (und vorallem im Zuge der Plandemie) kam dann der Moment, in dem nach und nach auch die Masken aller restlichen Familiemitglieder fielen. Die mühsam kultivierten Scheinheiligkeiten konnten dem Druck der Ereignisse nicht mehr standhalten und brachen in sich zusammen. Was blieb, war die konsequente Trennung und die ungetrübte Klarheit meines eigenen Seins.
Meine Reise führte mich ein Jahr über den Ozean nach Mexiko und wieder zurück, bis ich schließlich dort ankam, wo meine Seele zu Hause ist: auf meiner Herzinsel im atlantischen Ozean♡.
Ich habe erkannt, dass ich nie geflohen bin, auch wenn man mir das vielleicht unterstellt.
Nein, ich bin angekommen. In mir.
Ich habe gelernt, dass mein Hinterfragen kein Fehler war, sondern meine Rettung. Dass meine Integrität und meine Würde schwerer wiegen als jede familiäre Verbindung, jeder akademische Abschluss und dass Heilung kein Ziel ist, das man erreicht.
Sie ist mein Weg, den ich mit jedem Atemzug gehe.
Das "Alien" von damals hat erkannt, dass es nie falsch war. Es war nur ein Sternenkind auf einem dunklen Planeten, das lernen musste, sein eigenes Licht zu entzünden.
Heute, mit 40 Jahren, blicke ich mit einer tiefen Klarheit zurück. Ich weiß nun, dass Hinterfragen keine Rebellion ist, sondern geistige Hygiene. Wer die Spielregeln fremder und falscher Systeme nicht versteht, wird von ihnen benutzt, doch ich hab mich entschieden, meine eigenen Regeln zu schreiben. Meine Wahrheit ist mir heute wichtiger als alles andere. Dass ich Verbindungen, Wege und vermeintliche Karrieren abgebrochen und immer wieder neu justiert habe, war kein Scheitern. Es war mein Selbstschutz, um meine Integrität zu wahren. Auch wenn es lange gedauert hat, um das zu verstehen.
Vom kleinen verlassenen Mädchen bis zur Freiheit am weiten Meer war es eine Reise intensiver Arbeit an mir selbst. Und ich bin auch noch lange nicht angekommen.
Heilung ist für mich kein Ziel, das man irgendwann erreicht. Heilung ist für mich ein beständiger Weg.
Die Stationen meiner Biografie waren keine Fehler. Sie waren notwendige Häutungen. Ich habe die künstlichen Filter dieser fremdgesteuerten Illusionswelt durchschaut, um heute nur noch für mich und meine eigenen Träume zu gehen.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass man manchmal psychisch und auch physisch gefesselt werden muss, um die unendliche Freiheit des Geistes zu begreifen. Ich kenne heute meine Schatten, aber ich lass mich nicht mehr von ihnen regieren.
Ich bin die Hüterin meines eigenen Lebens und auch wenn das für manche radikal klingen mag, aber ich gehe nur noch für mich und meine Träume. Radikal. Und ich bestimme über mein Da-Sein. Niemand anderes mehr.
Heute bestimme ich den Rhythmus meines Herzens. Der gewaltsame Zug des Anfangs und das Urteil anderer liegen hinter mir. Nie wieder beuge ich mich fremdem Willen...
Ich bin die einzige Instanz in meinem Leben. Das ist mein heiliges Versprechen an mich selbst.
Wenn du diese Zeilen liest, wünsche ich mir für dich vor allem eines: dass du aufhörst, dich für deine Brüche zu schämen. Ich wünsche mir, dass du erkennst, dass dein Anderssein kein Fehler ist, sondern dein Kompass. Wenn die Welt versucht, dich in einen Schacht zu sperren oder dich an dein altes Ich zu fesseln, dann wisse: das ist der Moment, in dem deine wahre Kraft geboren wird.
Trau dich, die Systeme zu verlassen, die dein Herz austrocknen lassen. Hab den Mut, nein zu sagen, auch wenn du kurz davor stehst, ein Ziel zu erreichen, das gar nicht deines ist. Ich wünsche dir die Erkenntnis, dass du niemals zu viel bist, niemals falsch und niemals allein bist. Deine Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Erinner dich immer:
DU hältst den Stift in der Hand.
Geh für deine Träume. Es wartet immer eine "Insel" auf dich, die sich nach deinem Herzen anfühlt.


Kommentare