Das Feuerpferd wird dich nicht retten
- Tanja Weisenbach
- 14. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Es is nur dein Alibi für deine eigene Unzulänglichkeit.
Triggerwarnung: dieser Beitrag könnte deine spiri Wunde ziemlich aufreiben. Wenn dir nach Licht u Liebe dürstet, lies ihn lieber nicht.
Es is also mal wieder so weit. Ein neues Ereignis steht an, eines auf das die Spiriblase mal wieder sehnsüchtig wartet.
Das Jahr des Feuerpferdes. Was'n Hype. Überall les ich grad nur, am 17. Feb treten wir ein. Ja wo treten wir eigentlich ein? Hat sich die "spirituelle Community" nicht groß auf die Fahne geschrieben, eigentlich austreten zu wollen aus dieser Matrix u all ihren Anhaftungen? Sidenote: das Feuerpferd is auch ne Anhaftung, nur eben spirituell konform verpackt. Wie unfassbar trefflich da das Sprichwort greift "das Pferd von hinten aufzäumen" hahaaa!
Jedenfalls, was ich hier beobachte ist das typische Verhalten as always: Wir warten. Aufs neue Jahr. Auf die Rauhnächte. Auf den Valentinstag. Aufs Wochenende. Is das nicht funny? Also ich finds funny. Wir leben eigentlich nur in der Zukunft und sind ständig am (er)Warten. Als ob wir immer eine Erlaubnis von außen bräuchten, um dieses oder jenes tun zu können oder zu dürfen.
Für mich gleicht Warten auf ein Datum, wie jetz hier auf den 17. Februar, dem "Jahr des Feuerpferdes", einer Form von spirituellem Infantilismus.
Anstatt die Verantwortung für die eigene Ohnmacht zu übernehmen, projiziert man die rettende Kraft wieder einmal auf ein kosmisches Ereignis.
Was mMn ganz klar psychologisch dahinter steckt: Es entlastet das Ego. Wenn das Jahr des Feuerpferdes noch nicht angefangen hat, muss ich heute noch nicht mutig sein. Bin ich noch von xy blockiert. Läufts halt noch nicht (also das Pferd..verständlicherweise!)
Und natüürlich es lief auch letztes Jahr nicht, weil da wars ja das Jahr der Schlange u da sind wir besonders vorsichtig!
Wir leben in einem ständigen wenn-dann Modus. Das ist die perfekte Ausrede für den Stillstand und dein spirituelles Bypassing, verpackt in spirituelle Vorbereitung.
Es ist eigtl so einfach zu durchschauen (wenn man denn schauen mag): Die New(C)Age Matrix nutzt klassische Trigger der FOMO (Fear Of Missing Out) und der künstlichen Verknappung. Das Portal-Narrativ suggeriert dir, dass es Fenster gibt, Zeiträume, in denen Veränderung leichter ist als sonst. Ja, jetzt (aber nur jetzt ab dem 17. Februar) dürfen wir eeendlich losreiten! (Mal ganz davon abgesehen, dass der gregorianische Kalender eh eine Farce ist...)
Die Falle ist, dass das Druck und gleichzeitig Passivität erzeugt. Man wartet auf den Rückenwind des Pferdes, anstatt einfach loszugaloppieren.
(By the way was machen eigtl die Leute die von dem Feuerpferd garnix wissen? Fallen die dann gleich vom Gaul?!)
Für mich ist das alles leicht durchschaubar. Es ist die Fortführung der braven Mädchen-Wunde: Man braucht eine äußere Erlaubnis (das Pferd), um loszurennen. Und ich sage hier bewusst die brave Mädchen-Wunde, weil es wieder hauptsächlich Frauen sind, die auf diesen Zug, pardon, dieses Pferd, aufspringen.
Sie nutzen das Feuerpferd als affektive Kompensation, weil sie sich in der Matrix machtlos, erschöpft und gefangen fühlen. Anstatt aber die Ursachen der Erschöpfung -das lineare System- zu durchschauen, flüchtet man sich in die Hoffnung auf eine wilde, schnelle Energie, die von alleine kommt. Es ist eine Beruhigungspille, die verhindert, dass die Menschen die Wut über ihre echte Unterdrückung, aber auch die Macht ihrer eigenen Schöpferkraft, spüren.
Psychologisch gesehen seh ich auch hier ganz klare Muster: das Festhalten an solchen Daten ist ein Versuch, das Unvorhersehbare zu kontrollieren. In einer Welt, die immer komplexer und bedrohlicher wirkt, gibt ein festes Datum wie der 17. Februar Struktur. Es ist jedoch eine Scheinstruktur. Sie gibt dir das Gefühl von Orientierung, während sie dich tiefer in die Passivität und das Aufgeben von Verantwortung treibt...weil du deine folgenden Taten an ein kosmisches Okay knüpfst. Und fortlaufend alle Ereignisse im Außen einem Gaul zuschieben kannst.
Du bist überfordert? Der Gaul is schuld, er is zu schnell losgetreten. Du fühlst dich ausgebrannt? Das Pferd hat zu viel PS! Eigtl kann einem der arme Gaul schon fast leidtun, er muss all die Verantwortung für deine Unzulänglichkeit tragen.
Und wieder einmal wird die eigene Souveränität entmachtet. It's a tricky game, wenn auch subtil.
Wahre Spiritualität ist selbst-autoritär. Ein wahrhaftig souveräner Mensch weiß, dass er das Universum in Bewegung ist...und zwar an jedem verdammten Dienstag um 08:15 Uhr, völlig egal, ob ein Merkur rückläufig ist oder ein Feuerpferd galoppiert.
Für mich ist dieser Hype um diesen Feuergaul wieder einmal ein Paradebeispiel für die spirituelle Fortführung der SYSTEM(ischen) (Agrar)gesellschaft: Man wartet auf die richtige Jahreszeit, anstatt zu erkennen, dass man selbst die Quelle der Energie ist.
Ich kann dir an dieser Stelle nur sagen:
Wahre Souveränität braucht kein Feuerpferd. Werde die Königin, die auch ohne kosmisches Okay galoppiert.
In diesem Sinne, have a nice ride!


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